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Volunteering Chile: Die zweite Woche

Feb 25, 2012 by     1 Comment     Posted under: Allgemein, Freiwilligenarbeit, Santiago

Ich habe es hier schon oft zitiert, doch muss es auch jetzt wieder sein: „Kinders, wie die Zeit vergeht!“ Hab ich dann auch zu den Jungs im Kinderheim gesagt, und dass ich gern noch länger bleiben würde, aber mir bleiben jetzt nur noch 8 Tage, und die will ich nutzen um wenigstens noch ein bisschen mehr zu sehen von diesem wunderschönen Land. Es wird mich in den Süden ziehen, nach Puerto Montt, auf die Insel Chiloe und nach Puchon – auch darüber werde ich berichten. Zunächst aber hier und jetzt noch mehr über die zweite Woche Volunteer-Work, die mit einem tränenreichen Abschied zu Ende ging.

Nur wenige Bilder von meiner Arbeit im Heim

Die zweite Woche im Heim begann schlecht, nämlich mit der Nachricht, dass ich bei keine Fotos machen darf – die Direktorin hatte Bedenken aufgrund der Tastsache, dass dann Bilder von den Kindern im Internet sind. Natürlich ist das nachvollziehbar, andererseits wird aber  auch eine Chance vertan, in einem seriösen Rahmen (also hier auf dem Blog) auf die Probleme aufmerksam zu machen, die es im für Touristen doch so schönen Santiago de Chile eben auch gibt. Und da SENAME (die Organisation, die das Heim unterhält) staatlich ist, ordne ich das Fotografie-Verbot auch politisch ein (denn logischerweise will die chilenische Regierung nicht, dass zu viele Leute in anderen Ländern sehen, dass es in den staatlichen Einrichtungen an allen Ecken und Enden fehlt).

Die Betreuer und die Kids hätten sicher nichts dagegen gehabt, wenn ich einige Erinnerungsfotos geschossen hätte. Und einige der Jungs haben mich sogar gebeten, zur Erinnerung Fotos zu machen. Da das vor dem Verbot war und die Kinder es sich gewünscht haben, dass ich die Bilder einstelle, sind sie hier zu sehen. Leider sind es nur Handy-Uploads, denn die Spiegelreflex-Kamera hatte ich nicht dabei.

Ein bisschen Unterrichten, ein bisschen spielen

So, dann noch ein wenig mehr zu der Arbeit mit den Jungs: Ein wirklich geordneter Englischunterricht war nicht wirklich möglich, da es z.B. keinen dafür vorgesehenen Raum und keine Materialien gab. Vor allem aber war es ein organisatorisches Problem, denn die Betreuer wechselten von Tag zu Tag und aus der Direktion hatte ich da auch nicht wirklich Unterstützung. Außerdem sind die Kinder in der Gruppe sehr unterschiedlichen Alters und teilweise einfach noch zu jung. Aber es hat sich irgendwann ein „harter Kern“ aus der Gruppe herausgebildet. Ein paar Jungs, die sehr interessiert waren daran, einige englische oder auch deutsche Wörter zu lernen und mehr über Europa, Deutschland und meine Heimat zu erfahren. Unbedingt erwähnt werden muss an dieser Stelle Richard, ein Junge aus dem Norden Chiles (mit deutschen Vorfahren), der sehr intelligent ist, viel liest, und schon relativ gut Englisch kann. Er war meine rechte Hand beim Unterrichten, ohne ihn wäre die Verständigung noch schwieriger gewesen.

Ansonsten hab ich aber auch viel mit den Jungs gespielt. Tischtennis, Fußball, Playstation, etc. – und Karten, genauer gesagt „Bridge“. Konnte ich vorher nicht, aber die Betreuer spielen das wohl immer, auch mit einigen der Jungs, und ich wurde angelernt.

Ach, das ist eine schöne Geschichte: Einer der Jungs, Jorge, er wurde dazu ausgewählt, in der nächsten Woche bei Roger Waters (Pink Floyd) mit vielen anderen Kids aus Santiago auf der Bühne zu stehen und bei „Another Brick In The Wall“ mitzsingen. Da er zwar den Text als Ausdruck und sogar die spanische Übersetzung hatte, aber natürlich keine Ahnung, wie man das alles in Englisch ausspricht, habe ich das Lied auf mein Handy gezogen, und wir haben geübt.

Tränenreicher Abschied

So ging auch die zweite Woche verdammt schnell rum. Am letzten Tag bin ich quer durch Santiago gefahren um auf einem großen Markt Blöcke, Stifte, etc. sowie einen Fußball zu kaufen, um den Kindern ein sinnvolles Geschenk zu machen. Schwer bepackt ging es dann zurück, quer durch die Stadt bis nach Pudahuel und ins Kinderheim. Dort gab es dann für alle Blöcke (mit coolen Motiven wie z.B. wilden Tiere oder Superhelden), und Stifte. Kam gut an, auch der neue Fußball. Na und dann gab es irgendwann den Abschied, der bei einigen der Jungs (vor allem beim harten Kern der Englisch-Gruppe) sehr tränenreich verlief, und ich musste mich sehr zusammenreißen, um die eine oder andere Träne wegzudrücken.

Es war eine wirklich schöne Zeit, wenn auch kurz. Ich werde viel mitnehmen von dieser neuen Erfahrung. Vielleicht werde ich irgendwann auch noch einmal zurückkehren, auf jeden Fall aber schreiben – zu Weihnachten oder so.

Die erste Woche im Kinderheim Pudahuel

Feb 17, 2012 by     No Comments    Posted under: Allgemein, Freiwilligenarbeit, Santiago

So, jetzt habe ich die erste Woche Freiwilligenarbeit in Santiago de Chile hinter mich gebracht. In Kombination mit dem jeweils morgens stattfindenden Sprachkurs und der recht aufwendigen Anreise nach Pudahuel (dem Ortsteil, in dem sich das Kinderheim befindet) war das alles nicht gerade wenig Action in den letzten Tagen. Aber: Es hat sich gelohnt! Denn: Obwohl die Verständigung schwierig war und die Kids mitunter schon recht anstrengend sein können, überwiegt das gute Gefühl einer wichtigen und neuen Erfahrung. Und meistens hat es einfach auch nur Spaß gemacht, den Jungs im Heim etwas beizubringen oder mit ihnen zu spielen. Einen detaillierten Bericht, vorrangig zum ersten Tag, auf dieser Seite. Weitere Berichte folgen.

Auf nach Pudahuel

Direkt nach der Schule ging es zu Wochenbeginn los, mit der Metro in Richtung Pudahuel. Die komplette Anreise dorthin (also mit Fußwegen und Umsteigen) dauert ca. 45 Minuten – mas o menus. Auf dem Hinweg an diesem ersten Tag war die U-Bahn relativ leer, und auch an der Zielstation „Pudahuel“ nicht wirklich viel los. Vom U-Bahnhof bin ich zu Fuß losgegangen, immer eine breite Straße entlang, Mittagssonne, keine Bäume, und wenige Menschen unterwegs (zumindest im Bergleich zum Zentrum). Irgendwann ging es dann links ab, hinein in eine Wohnsiedlung, gleich wieder rechts und fertig.

Keine Probleme am Sicherheitstor

An der Schule angekommen habe ich mich mit meinem für einen solchen Anlass mittlerweile recht sicherem Spanisch vorgestellt und gesagt, dass ich einen Termin mit der Direktorin habe. Die kam dann auch sofort zum Eingangstor um mich abzuholen. Auch die Konversation mit ihr war deutlich einfacher als beim ersten Aufeinandertreffen zwei Wochen zuvor. Ich wurde einigen weiteren Mitarbeitern vorgestellt, und gemeinsam mit einer der Betreuerinnen bin ich dann zu „meiner“ Gruppe gegangen, also zu den ca. 25 Jungs (im Alter von etwa 10 bis 16 Jahren), mit denen ich ab diesem Tag arbeiten sollte. Sie hat mich ganz kurz vorgestellt, und dann war ich an der Reihe.

 Kurz vorstellen…

„Hola chicos! Mi nombre es Christian, soy de Alemana! Yo hablo muy poco Espanol, pero trato de aprender. Por favor, hable despacio, para que pueda entender. Y no se ria cuando digo algo estupido! 🙂

Voy a seguir seis semanas en Chile, y estoy en Chile por dos semanas. En la manana yo apprendiendo epanol en la escuela. Despues yo vengo aqui por la tarde, en los sigurientes dos semanas. Quiero jugar con usted, y ensenar ingles. Me presente, ahora su! Una por una!“

Nachdem ich mich vorgestellt hatte, waren also die Jungs an der Reihe. Es war wirklich süß zu beobachten, wie einige von Ihnen vorgeprecht sind, ihren Namen laut in die Klasse gerufen haben, und andere nicht über ein schüchternes Nuscheln hinauskamen. Aber alle waren sehr interesiert und wollten genau beobachten, wer das da vorne ist und was er eigentlich genau will.

…und ran an die Playstation!

Nun hatten sich also alle vorgestellt, und die Betreuerin hat mich dann einfach mal machen lassen. Englisch nterrichten sollte ich erst am nächsten Tag, also ging es darum, mit den Jungs was zu spielen. Ich ließ mich nicht lange bitten,  auf der Playstation Pro Evolution Soccer zu zocken. Die Jungs haben dabei eine interne Regel, dass man das Joypad weiterreichen muss, wenn man ein Tor kassiert hat. Ich habe mich dann absolut nicht schlecht damit gefühlt, das Joypad dauerhaft zu behalten. Nur meine Gegner wurden reihenweise ausgetauscht. Später gab es noch einige Tischtennis-Matches, und zwischendurch immer wieder die Situationen, in denen 10 Jungs um dich herumstehen, auf dich einreden und etwas wissen wollen, aber Du verstehst kein Wort. Da hilft dann nur noch „einer nach dem anderen“ und „mas lento por favor!“. Aber selbst dann sind manche der Jungs in ihrem Slang wirklich nur schwer zu verstehen.

Am späten Nachmitag ging es dann noch raus in den Hof, wo die Kids Fußball, Basketball oder Volleyball spielen, oder bei den Mädchen stehen, die ansonsten im Haus gegenüber untergebracht sind,  nachmittags aber auch häufig „Ausgang“ haben. Die Betreuer müssen dann höllisch aufpassen, dass die „Pärchen“ der schon etwas älteren Kids nicht hinter irgendeiner Tür verschwinden.

Die Kinder leben in einfachsten Verhältnissen

Um das schnellstmöglich klarzustellen: Wenn wir hier von Playstation und Tischtennis sprechen, darf nicht der Eindruck entstehen, diese soziale  Einrichtung sei in irgendeiner Weise gut ausgestattet. Die ranzige Playtation 2, der uralte Röhrenfernseher und die ausgenudelte Tischtennisplatte sind wahrscheinlich Spenden gewesen. Ansonsten ist das Heim sehr, sind die Schlaf- und gleichzeitig Aufenthaltsräume der Kinder allenfalls spartanisch engerichtet. Jede Gruppe mit jeweils 20 bis 30 Kindern schläft in einem Saal, und dort wird tagsüber auch gespielt. Besonders negativ aufgefallen sind mir die Wasch- und Toilettenräume: es stinkt überall fürchterlich nach Urin, und auf die Toilette gehen möchte man hier als Gast wahlich nicht. Die Kinder müssen aber. Für mich sah es ein wenig so aus, als würde hier niemals sauber gemacht.

Fotos…

…hab ich leider noch keine gemacht. Das ist auch in Rücksprache mir der Organisaton geschehen, die mir den Volunteer-Job vermittelt hat. Als unbekannter Mann da in der ersten Woche mit einer Kamera in ein Kinderheim reinzumaschieren und rumzufotografieren ist einfach nicht angebracht. Mittlerweile kennt man die Verantwortlichen aber schon, und in der nächsten Woche wird es sicher möglich sein, in Absprache mit den Verantwortlichen einige Bilder aufzunehmen. Das Bild oben habe ich aus dem Netzt von einer offiziellen Seite, und werde es zeitnah gegen eine eigene Aufnahme austauschen.

Weitere Berichte aus der ersten Woche…

…folgen hier in Kürze!

Freiwilligenarbeit in Chile

Feb 11, 2012 by     4 Comments    Posted under: Allgemein, Freiwilligenarbeit, Santiago, Spanisch

Buenos dias! Schon wieder ist fast eine Woche ins Land gegangen, und das noch schneller als die ersten Tage hier in Chile. Und ich bin ja auch noch etwas schuldig: Viele von euch werden sich sicherlich bereits gefragt haben, was denn nun mit meiner Freiwilligenarbeit bzw. meinem Volunteer-Job ist – schließlich heißt der Blog doch „Work and Travel Chile“, und nicht bloß „Travel in Chile“ (wobei: das in der Sprachschule ist auch Arbeit, das muss man auch mal sagen). Aber ganz ernsthaft: Mit der Freiwilligenarbeit in Chile geht es erst am kommenden Montag los – also (leider) zwei Wochen später als geplant. Warum das so ist, und was ich als Volunteer genau machen werde, könnt ihr im folgenden Blog-Beitrag nachlesen.

(Volunteer-)Work and Travel Chile

Um es noch einmal ganz kurz für alle zu erklären:Work and Travel Chile“ steht in diesem Fall für die Kombination aus einem 4wöchigen Aufenthalt in Santiago de Chile, bei dem ich an den Vormittagen in der Sprachschule Spanisch lerne, und mich nachmittags freiwillig in einem Volunteer-Projekt engagiere.

Das Freiwilligen-Projekt in Santiago

Bei diesem „Projekt“ handelt es sich um eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche im Ortsteil „Pudahuel“ (liegt in der Nähe des Flughafens). Die Einrichtung gehört zum Netzwerk SENAME (Servicio Nacional de Menores), einer staatlichen Stelle, die sich für den Schutz von Minderjährigen einsetzt und verschiedene Betreuungszentren und Kinderheime verwaltet. Hier leben Kids,  die keine Eltern mehr haben, oder deren Eltern sich aufgrund eines Gefängnisaufenthalts, Drogenproblemen oder sonstigen Gründen nicht um die Kinder kümmern können. Bei den Jugendlichen, die in der Einrichtung leben, verhält es sich ähnlich, allerdings ist die Einrichtung in diesem abgetrennten Bereich eher ein Jugendgefängnis, denn viele der älteren Kids sind bereits in jungen Jahren straffällig geworden.

Meine Arbeit in der Einrichtung

An den Nachmittagen der nächsten beiden Wochen werde ich nach der Sprachschule die U-Bahn in die ca. 30 Minuten entfernte Einrichtung in Pudahuel fahren, und mich dort um die Jungs zu kümmern, bzw. sie zu beschäftigen, damit sie nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen bzw. Langeweile haben. Was ich dann genau mit den Kids machen werde, werde ich a) von den Betreuern erfahren, hängt aber b) natürlich auch von meiner eigenen Initiative ab. Fußball spielen ist auf jeden Fall immer eine Möglichkeit, und im Idealfall werde ich den Jungs auch etwas Englisch beibringen. Ansonsten muss ich mal sehen, aber das klappt schon.

Die Sprache als Hürde…

Problemtisch ist natürlich, dass ich nur sehr wenig Spanisch spreche, und nur eine Person in der Einrichtung ein wenig Englisch kann. Hier liegt auch der Grund, warum es jetzt erst zwei Wochen vesrspätet losgeht mit der Freiwilligenarbeit in Chile.

…für meinen Volunteer-Job.

OK, das war so: Direkt nach dem ersten (Sprach-)Schultag bin ich Nachmittags mit der Hanani von ChileInside (der Agentur, die mir die Volunteer-Stelle vermittelt hat) in Richtung Pudahuel aufgebrochen. Hanani hat mir erklärt, wie man in Santiago U-Bahn fährt, wo ich umsteigen muss, und was es sonst noch alles zu beachten gibt auf dem Weg in die Einrichtung. Einfach war das aber nicht, denn die Hanani spricht neben Spanisch nur ein ganz klein wenig Englisch (sehr witzig fand ich, dass es schon den Eindruck machte, sie sei genervt, weil ich ja so noch gar kein Spanisch spreche … und am Ende hat sich herausgestellt, dass es ihr eher unangenehm war, dass sie kein Englisch kann).

Kommunikationsprobleme

Na auf jeden Fall sind wir irgendwann in der Einrichtung angekommen, und mussten dann am Sicherheitsmann vorbei. Nicht unbedingt ein sympathischer Kerl – wie diese Sicherheitsleute halt so sind (und irgendwie hat er mich an einen Bösewicht aus einem Film erinnert, der irgendwo in Mexiko spielt … hab aber den Titel vergessen).  Dann sind wir von der Direktorin abgeholt worden und in ihr Büro gegangen. Ich habe zwar nicht viel verstanden von dem was sie mit Hanani besprochen hat, aber es wurde schnell klar, dass meine nicht vorhandenen Sprachkenntnisse ein Problem sind. Das hat mich dann schon verwundert, weil es vorher eigentlich geklärt worden war, dass ich komplett ohne bzw. mit sehr schmalen Spanisch-Kenntnissen anreise. Es hieß ursprünglich auch, dass es jemanden gäbe, der Englisch spricht, und der mir in dern ersten Tagen behilflich sein würde. Es hat sich aber herausgestellt, dass diese Person (eine Psychologin), mittlerweile nicht mehr in der Einrichtung arbeitet.

Neuer Start zwei Wochen später

Glücklicherweise gab es dann dort aber doch noch jemand, der ein wenig Englisch konnte und als Übersetzer fungierte. Ganz kurz gefasst haben wir uns dann mit der Direktorin am Ende darauf verständigt, dass ich zumindest 2 Wochen lang Spanisch übe, und dann erst mit dem Volunter-Job starte. So kann ich zumindest mehr von dem verstehen, was die Mitarbeiter sagen, und den Kids die Begriffe, die ich bereits kenne, in Englisch beibringen. Also dann: ab Montag Freiwilligenabeit in Chile!